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„Tuberkulose breitet sich im Haushalt aus“ – Otto Neuraths Vermittlerrolle zwischen den Bereichen Hygiene, Medizin und Architektur / Georg Fliri

30.06.2011

Hygiene als Begriff hat an Bedeutung in den letzten Jahrhunderten sehr stark verloren; heute versteht man darunter vor allem den Bereich der Körperpflege, doch noch zu Beginn des 20. Jh. Wurden eine Vielzahl von Maßnahmen und Tätigkeiten unter „Hygiene“ verstanden. Dabei ging es vor allem auf der einen Seite um die Volksgesundheit und somit um den Erhalt an Arbeitsfähigkeit, auf der anderen Seite aber auch um die Sauberhaltung der Städte.

Auf Grund des starken Bevölkerungswachstums und der damit verbundenen Vergrößerung und Ausdehnung der Städte in der zweiten Hälfte des 19. Jh., stand man vor einer Vielzahl an neuen Problemen, die bis dato in solchem Ausmaß noch nicht gab oder aber auch von der Politik nicht erkannt oder verdrängt wurden. Die Politik der damaligen Zeit erkannte die Wichtigkeit und Notwendigkeit der Städtehygiene und –reinigung erst auf Grund zahlreicher Fortschritte und Entdeckungen auf den Gebieten der Medizin, Physik, Biologie und Chemie. Ein Zusammenhang zwischen Gesundheit, der damit verbundenen Arbeitsfähigkeit der Bevölkerung und einer ausreichend funktionierenden Ver- und Entsorgungswirtschaft und –politik wurde erst durch die medizinisch-hygienischen Forschungen und Erkenntnisse im 18. und 19. Jh. erkannt. Somit wurde durch eben diese Erkenntnisse eine Schaffung hygienischer und gesunder Zustände in einer Stadt forciert, auch um den dauernd auftretenden Epidemien entgegenzuwirken, die für die Krankenkassen einen großen finanziellen Aufwand bedeuteten.

Eine Steigerung der Zustände und Standards im Bereich der Hygiene und Medizin am Ende des 19. Jhs. dienten aber vor allem der Erhaltung und

Steigerung des Gesundheitszustandes der wehrpflichtigen Männer und erst sekundär der Seuchenbekämpfung.
Bereits Kaiserin Maria Theresia hatte erkannt, dass ein schlechter Allgemeinzustand der Soldaten und Offiziere (Gesundheit, aber auch Ausbildung und Schulbildung) den Ausgang eines Krieges in großem Maße beeinflussen konnte. Maria Theresia reagierte darauf, indem sie das „k.k. Sanitätsnormativ“, im Jahre 1770 erließ, in dem die Pflichten von Ärzten und Apotheken neu definiert wurden. Zudem wurden in jener Zeit zahlreiche Krankenhäuser errichtet. Eine ausreichend gründliche Vorsorge auf medizinischer Ebene, kam aber vorerst fast nur Mitgliedern des Heeres zugute und nicht der breiten Bevölkerung.

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