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Die Sprache des Performativen / Anna Katharina Dür

1.07.2012

In unserem Entwerfen „A Future Language of Architecture” unter Bart Lootsma ging es darum, die Vision einer Architektursprache der Zukunft zu entwickeln. Unter Berücksichtigung der bereits geschriebenen Geschichte und aktuelle Tendenzen galt es, das Wichtigste heraus zu filtern, neu zusammenzusetzen und darauf aufbauend Aussagen über eine mögliche Formensprache des Zukünftigen zu wagen.

Es lässt sich selbstverständlich in Frage stellen, inwiefern es uns heute möglich ist, zutreffende Annahmen über das Morgen zu machen. Jeder Tag bringt – ungeachtet stetiger, langsam fortschreitender Entwicklungen – Überraschungen und kann somit zum Träger unerwarteten Wandels werden. Dennoch, oder gerade deshalb, ist es wichtig, solche Überlegungen anzustellen und den daraus resultierenden Fragestellungen Folge zu leisten. Durch intensive Reflexion sind wir vielleicht eines Tages in der Lage, auf konstruktive Art und Weise Einfluss auf momentane Ereignisse auszuüben und in Folge dessen unsere Zukunft aktiv mit zu gestalten.

Meine Beobachtungen bezüglich eines momentanen Stands der Architektur im technologisierten 21. Jahrhundert haben mich dazu geführt, Architektur auf die ihr innewohnenden Eigenschaften von Performativität zu untersuchen und die Bedeutung performativer Prozesse für die Architektur zu erläutern.

Zuallererst von John Langshaw Austin in die Sprachwissenschaft eingeführt und als performativer Sprechakt verstanden, der Handlungen nicht nur beschreibt sondern sie gleichzeitig auch vollzieht, wurde der Begriff ,performativ‘ in die Theaterwissenschaft aufgenommen, wo er bald große Bedeutung erlangte. Der so genannte performative turn, mit dem ab der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts in allen Künsten eine Verlagerung des Werksbegriffs zum Erlebnis stattfand, trug dazu bei, dass auch in der Architektur vermehrt das aktive Erleben und Erfahren in den Vordergrund rückte. In der Folge wurde der Begriff in den Kanon der Architektur aufgenommen, wo er rasche Verbreitung fand. Im Gegensatz zu anderen Begrifflichkeiten jedoch, die eine eindeutige inhaltliche  Zuordnung ermöglichen, lässt der Begriff ‚performativ‘ nach momentanem Verständnis eine Vielzahl an Interpretationen zu. Dies erschwert das Bestreben über performative Architektur zu schreiben. Hinzu kommt, dass sich performative Vorgänge mit nur scher fassbaren Phänomenen beschäftigen – Performativität hat immer zu tun mit Bewegung, Aktivität, Transformation.

Für die Architektur bedeutet dies, dass eine Formensprache angestrebt wird, die einerseits Bewegung und Aktivität suggeriert und andererseits den Bewohner selbst dazu auffordert sich aktiv mit seiner Umwelt zu beschäftigen. Neueste technologische Entwicklungen unterstützen diesen Prozess wiederum auf mehreren Ebenen: Sie haben die Realisierung weitaus komplexerer Formen als noch vor 50 Jahren möglich gemacht und tragen dazu bei, dass immer mehr ‚intelligente‘ Systeme, die selbstständig in der Lage sind reaktiv zu agieren, im Bauwesen Anwendung finden. Des Weiteren lässt die Verwendung reizsensibler, auf Parametern gestützter Software vermehrt eine tiefgreifende Interaktion zwischen Mensch und Architektur zu. Der Abschnitt ‚Neue Medien in Performativer Architektur‘ beschäftigt sich damit.

Performative Architektur hat die Aufgabe das Verhältnis zwischen Mensch und Architektur zu fördern, zu forcieren. Die Kommunikation, die zwischen beiden Parteien stattfindet, soll angetrieben und intensiviert werden; ein Zustand der wechselseitigen Interaktion soll erreicht werden. Die Frage lautet hierbei: Wie nahe können sich Mensch und Architektur kommen? Zu welchem Zeitpunkt hat die Beziehung zwischen zwei Dingen ihr intensivstes Level erreicht?

Im letzten Teil meiner Arbeit versuche ich, unterstützt durch die erst kürzlich veröffentlichten Ansichten Lars Spuybroeks in „The Sympathy of Things” Antworten auf diese Fragen zu finden. Meine Anstrengungen münden in der Vision einer zukünftigen Sprache der Architektur, welche ganz im Zeichen des Performativen steht.

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