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Human Nature abhors the straight Line / Marie-Eugenie Arlt & Erik Czejka

18.06.2013

“Nature abhors the straight line.” Mit dieser Aussage beschreibt der Wegbereiter des Englischen Landschaftsgartens William Kent die Grundideologie dieser Gartenform. Noch heute ist die Gestaltung von Natur bzw. Landschaft in die Tradition eines romantischen Bildes eingebettet, welches weitgehend der Ideologie eines Englischen Landschaftsgartens entspricht. Dieses Bild ist getragen von einer Idealvorstellung von Landschaft, das in den Gärten in die Realität umgesetzt wird. Die Übersetzung des Ideals in die Realität erfolgt dabei nach strukturellen Kriterien und theoretischen Überlegungen unter Abkehr von der Schule der Barockgärten mit ihrem geometrischen und symmetrischen Aufbau, welcher der Beherrschung der Natur durch den Menschen Ausdruck verleihen soll.

Nichts bleibt bei der Gestaltung des Englischen Landschaftsgartens – angefangen bei der Wegeführung bis hin zum Standort der kleinsten Hecke – dem Zufall überlassen. Die Beherrschung der Natur erhält jedoch ein anderes Gesicht, das Gesicht der Natürlichkeit und der geschwungenen Form, die Ausdruck dieser Natürlichkeit sein soll. Ziel des Englischen Landschaftsgartens ist die perfekte Inszenierung von Natur bzw. natürlicher Form, die staunend und wohlgefällig betrachtet und erlebt werden soll. Ein Englischer Landschaftsgarten gilt dann als gelungen, wenn dem Besucher gar nicht auffällt, dass er die „freie Natur“ verlassen und in den Park übergetreten ist.

Golfplätze sind in gewisser Hinsicht Parkanlagen der Jetztzeit. Sie erfüllen auf den ersten Blick alle Kriterien, die einen Park ausmachen, ergänzt um die Funktion eines Sportplatzes. Auch ihre Gestaltung unterliegt strukturellen Notwendigkeiten, aber auch dem Wunsch, Golfanlagen als Schauplätze für die Schönheiten der Natur zu verstehen. Ebenso relevant wie beim Englischen Landschaftsgarten ist die Beherrschung der Natur, in diesem Falle aber auch durch den Golfspieler, der mit seinem Spiel die Herausforderungen des Golfplatzes meistert und den Ball allen Schwierigkeiten zum Trotz, die ihm die Natur in Form einer Spielbahn entgegen bringt, durch ihre Beherrschung an das Ziel, also in das Loch, bringt – der Golfer hat den Golfplatz damit erfolgreich bezwungen.

Allerdings sind Golfplätze in der heutigen Gesellschaft ein kontrovers diskutiertes Thema und müssen sich immer wieder unterschiedlichen Vorwürfen wie beispielsweise dem der Uniformität und Gleichheit oder dem des erheblichen Flächenbedarfs bei gleichzeitiger Nutzung durch eine relativ kleine Anzahl von Menschen (und das nur gegen Gebühr) stellen. Demgegenüber sind sie ein zusehends wichtiger werdender Wirtschaftsfaktor. Der Golfsport erfreut sich immer höherer Popularität und weist stetig steigende Zuwachsraten auf. Die Tourismusindustrie zählt Golfreisende zu einem bedeutenden Faktor und ist begierig, die Golfinfrastruktur weiter auszubauen.

Unter Golfern gilt normalerweise, wer einmal mit dem Golf Spielen angefangen hat, ist dem Sport verfallen und hört nicht mehr auf. Neben der Faszination des Spiels per se wird regelmäßig die Schönheit der Umgebung, also der Golfplatzes, die Bewegung in intakter und prachtvoller, freier Natur (nicht in einem intakten, prachtvollen Park, sei hier festgehalten) als ein Hauptgrund für die Beliebtheit des Golfsports genannt.

Dieses landschaftsprägende und flächeneinnehmende Phänomen des Golfplatzes ist Gegenstand unserer Untersuchung. Wir untersuchen die Behauptung, der Golfplatz sei eine Unterart des Englischen Landschaftsgarten, und gehen dabei der Frage nach, in wie fern sich die Gestaltung von Golfplätzen mit den Gestaltungsmerkmalen des Englischen Landschaftsgartens decken. Weiters stellen wie die Frage, in wie weit und warum Golfplätze noch immer dieser romantischen Landschaftsgestaltungstradition mit ihrer organischen, fließenden Formensprache entsprechen. Vielleicht liegt ein Grund darin, dass die menschliche Natur die geschwungene Linie der geraden Linie vorzieht.

Dafür beschreiben wir eingangs die Entwicklung und die charakteristischen Merkmale eines Englischen Landschaftsgartens und eines Golfplatzes und stellen diese in weiterer Folge gegenüber. Wir arbeiten Übereinstimmungen und Unterschiede heraus sowohl in struktureller, gestalterischer wie auch kultureller Hinsicht und beantworten abschließend die Frage, wie wir als Architekten mit dem Phänomen Golfplatz umgehen könnten.

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