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Subjektive Stadtähnlichkeiten / Franz Xaver Sitter

1.07.2012

In diesem Buch wird die Frage aufgeworfen, inwiefern heutzutage noch eine moderne Sprache der Architektur existiert und wie deren zukünftige Entwicklung bzw. ihre generelle Zusammensetzung und Struktur aussehen könnte. Allgemein ist zu vermerken, dass wenn man über die architektonische Sprache im Laufe der Geschichte reflektiert, sich der überwiegende Teil auf textlicher Basis befindet. Zentrales Diskussionsmittel ist das Wort – geschrieben und gesprochen, durch das diverse Thesen und Blickweisen erkenntlich gemacht werden. Parallel kann aber die zunehmende Bedeutung von Bildern angeführt werden, die zum Teil in ihrer Anhäufung schon Texte auf ein Minimum beschränken. Beispiel hierfür wäre der Blog Archinect, wo der Großteil der Projekte nur mehr mit Fotos und Plänen beschrieben wird; der Textanteil geht nahezu gleich Null. Wenn der Informationsgehalt in Bildern bereits so groß ist und diese das Geschriebene vielfach schon ersetzen, liegt der Gedankenschritt nahe, wieso man nicht auf Texte verzichtet und zu einer neuen Sprache, einer Bildsprache, übergeht? Diese Frage soll im Verlauf des Buches beleuchtet und durch diverse Argumente unterstützt werden.Zugrunde liegt weiters ein roter Faden, der den Weg vom Subjektivismus hin zu einem allgemeinen, objektiven Regelwerk beschreibt. Allerdings gibt es einen Wendepunkt, der dieses Leitmotiv wieder in die Gegenrichtung kippen lässt – das Regelwerk wird durch Subjektivität unterminiert, kehrt zur reinen Meinung und Geistesauffassung zurück. So stellt sich auch die Frage, inwiefern Regelsysteme noch gesellschaftskonform sind und ob nicht der heute hoch gepriesene Individualismus – nach individuellen Lösungen rufend – dieses System ablöst und zu einer neuen, freieren und dem Individuum entsprechenderen Gesellschaftauffassung führt – denn schließlich steht die Gesellschaft mit ihrer Schrift und Sprache immer in einem direkten Zusammenhang. Den Beginn markieren die Analysen zweier Blogs, die einmal eine gewisse Basis für den Einstieg in das Thema bilden und von Anfang an diesen Kontrast zwischen Text und Bildbetonung aufzeigen. Die nächsten Punkte sind zwei Texte, die zum darauf folgenden Resultat hinführen und dieses noch bekräftigen. Wichtig ist hier vor allem Ludwig Wittgenstein, der die anzuwendende Methodik bereitstellt. Genau in der Mitte eben erwähnter vier Ansätze befindet sich der Umbruch in dieser Wandlung des Subjektivismus zum Objektivismus und wieder zurück. Das Ende bildet die bildliche Übersetzung der Generic City von Rem Koolhaas, anhand dieser Wittgenstein‘schen Überlagerungsbilder die zentralen Aussagen über die zukünftige architektonische Bildsprache getroffen werden können.

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