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Tradition im kleinen Massstab – Sozialer Wohnbau in Tirol / Melanie Marmsoler

19.06.2013

Wohnen ein Menschenrecht.

Nicht allen Menschen war es immer möglich ein Dach über dem Kopf zu haben. Vor allem der Staat und die Länder nahmen sich diese Aufgabe zu Herzen und schufen eine gesetzliche Grundlage für das Wohnungsbaugesetz, das als Ziel formulierte, Wohnungen zu schaffen, die nach Größe, Ausstattung und Miete oder Belastung für breite Schichten des Volkes bestimmt und geeignet sind (Zitat aus § 1 II. WoBauG).

Die Wohnformen und Wohnbedingungen des sozialen Wohnbaus waren im Laufe der Geschichte einem steten Wandel unterworfen. Es wechselten die menschlichen Tätigkeiten ebenso wie die Bedürfnisse und Erwartungen. Dabei sind im Laufe der Zeit verschiedene Wohnbautypologien entstanden, wie die punkt-, und zeilenförmigen Wohnbauten, die Mehrfamilien-, die Reihenhaus- und die Einfamilienhaussiedlungen.

Im Thema „Fundamentals“ der Architekturbiennale in Venedig 2014, welches vom Architekten Rem Koohlhaas vorgegeben wurde, wird die Evolution der nationalen Architekturen der letzten 100 Jahre, also seit dem Beginn des Ersten Weltkrieges, untersucht. Koolhaas spricht die Vermutung aus, dass sich spezifische und lokale Architekturen im Rahmen der Globalisierung aufgelöst haben und damit nationale Identitäten mehr oder weniger austauschbar geworden sind.

In diesem Projekt wird der soziale Wohnbau in Tirol kritisch auf Koolhaas Unterstellungen untersucht. Dabei wird sich herausstellen, dass sich die oben genannten Wohntypologien in 2 Bereichen unterteilen lassen. Zum einen in die mehrgeschossigen Wohnbauten (sie setzen sich aus den punkt-, zeilenförmigen Wohnbauten und Mehrfamilienhäuser zusammen), welche Koolhaas These bestätigen werden, und zum einen in die ein- und zweigeschossigen Wohnbauten, welche dieser Vermutung widersprechen werden.

Grundlage für meine Untersuchungen waren der Text „Familienähnlichkeiten“ vom Philosophen Ludwig Wittgenstein und dessen Methoden. Durch verschiedene Diagramme und Bildern lässt sich erklären, dass die sozialen Einfamilienhaussiedlungen, welche vor allem in den Jahren zwischen 1917 und 1950 entstanden sind, und die Reihenhaussiedlungen eine nationale Identität haben. Dabei stellt sich heraus, dass der Grundriss ein sogenanntes „Fundamental“ ist, denn der Grundriss der Reihen- und Einfamilienhaussiedlungen hat sich in den letzten 100 Jahren kaum verändert. Internationale Beispiele bestätigen diese Behauptung.

Das Resultat dieses Buches kann als Basis für einen Beitrag an der Architekturbiennale 2014 dienen – oder eine Reflexion auf die zeitgenössischen Grundlagen der Architektur sein.

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