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„Mazaggs Misthaufen“ – Versuch einer Annäherung an Leben und Werk Siegfried Mazaggs

30.09.2013

Mazagg, Siegfried, geb. 12. Februar 1902 in Pfalzen (Pustertal, Südtirol), gest. 13. Juni 1932 in Innsbruck, Architekt und Zeichner. Mazagg wollte Maler werden. Seine Lehrjahre absolvierte er an der Staatsgewerbeschule, Abt. Höhere Baufachschule, in Innsbruck, wo Clemens Holzmeister und Lois Welzenbacher seine Lehrer waren und ihm den Zugang zur Architektur eröffneten. Nach seinem Schulabschluss gelang es ihm nicht, in Deutschland Fuß zu fassen, wo er sich weiterbilden wollte. Von 1923 bis 1928 war er beim Bauunternehmen Innerebner & Mayer in Innsbruck tätig. Er zeichnete viel und hatte schon 1922 eine Ausstellung im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum. Im selben Jahr veröffentlichte Mazagg unter dem Titel „Aus Innsbrucks Altstadt“ eine Serie von Zeichnungen in der Deutschen Bauzeitung in Berlin und später mit Wilhelm Nicolaus Prachensky eine Reihe von Karikaturen im Band „Der Bau des Achenseekraftwerkes in der Karikatur“. Sein beruflicher Durchbruch gelang ihm mit der architektonischen Gestaltung der Hochbauten für das Achenseekraftwerk in Jenbach, die zum Teil nach seinen Entwürfen umgesetzt wurden. Die ersten Pläne und Zeichnungen für die Stationsgebäude der Nordkettenbahn stammten ebenso von ihm wie ein Projekt für ein Hotel auf der Seegrube, Entwürfe für einen Kiosk auf der Spitze des Hafelekars, ein Beamtenwohnhaus auf der Hungerburg etc., die aber alle nicht verwirklicht wurden. Bald gelang es ihm, sich von den ästhetischen Zwängen seines Arbeitgebers Innerebner & Mayer zu lösen. Nach dem Umbau des Hotels Alpenhof in Pertisau am Achensee schuf er 1929/1930 mit dem Hotel Berghof in Seefeld in Tirol ein Hauptwerk der Tourismusarchitektur in den Alpen. 1931/1932 gestaltete er mit dem Umbau des Hotels Mariabrunn auf der Hungerburg und der Pension Bergheim in Berwang seine letzten Werke. Mazagg war auch Innenraumgestalter und entwarf gesamtheitliche Konzepte, die vom Mobiliar bis zur Beleuchtung reichten. Wie andere Tiroler Architekten der Zwischenkriegszeit orientierte er sich in seiner Architektur und in seinen Entwürfen für Möbel, Leuchten etc. sowohl am österreichischen Heimatschutz als auch an den neu aufkommenden Strömungen der 1920er-Jahre. Im Unterschied zu vielen seiner Zeitgenossen in der Region dürfte er vor allem über die Entwicklungen am Bauhaus gut informiert gewesen sein und gestaltete zum Beispiel Stahlrohrmöbel für Hotelinterieurs oder Architekturdetails wie Türen, die von De Stijl inspiriert waren. Leider konnte Mazagg seine Anfänge als talentierter „Interpret der frühen Moderne“ nicht zu einem reifen, eigenständigen Werk ausformen. Mit erst dreißig Jahren starb er bei einem Autounfall in Innsbruck.

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