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Die schlafende Schöne

Asmara beherbergt weltweit eines der größten geschlossenen Ensembles der Architektur der klassischen Moderne und soll möglicherweise in das Weltkulturerbe aufgenommen werden. Das Projekt nimmt diesen Ansatz auf, weist aber auch darauf hin, dass Asmara nicht nur die „Frozen City“ ist – eine Zeitmaschine, die Vergangenheit konserviert. Die Stadt ist das Produkt komplexer Strategien der Aneignung. Die Eritreer haben sich die koloniale Architektur angeeignet und begegnen ihr vorurteilsfrei. Sie entdecken das touristische Potential ihres kolonialen Erbes, verwenden die Ikone aber auch für das eigene ‚nation-building-project’. Asmara wird damit zum paradigmatischen Ort der Konservierung eines ‚modernistischen Programms’ in einer postmodernen Welt. Erhalten geblieben ist nicht nur das Ensemble wie in einer Zeitblase, sondern auch ein ‚Programm’, welches das ‚fatale Potential der Moderne’ beinhaltet. Es geht nicht mehr nur um die Reklamation des eigenen ‚europäischen Erbes’, sondern um komplexe Überschneidungsformen von Urbanismus, Militarismus und Biopolitik, in deren Spannungsfeld der historische Parameter der Stadt steht. Asmara ist nicht nur ein Archiv der Erinnerung, sondern ein Ereignis, das sich wiederholt.
Das Projekt bleibt hier nicht stehen. Es beleuchtet die vielfältigen Strategien der Aneignung von Raum. Es gibt neben der offiziellen Planung Strategien, die sich aus dem ‚Urbanismus des Alltags’ entwickeln und zeigen, wie Menschen trotz schwieriger Verhältnisse kreative Nutzungsmöglichkeiten für die einzigartige Architektur ihrer Stadt finden.
Ein Forschungsprojekt von Bart Lootsma und Peter Volgger, gefördert vom FWF.

Koloniale Spekula – Die ethnische Stadt / Peter Volgger, Stefan Graf & Arno Hofer

Der Städtebau war in den 20er und 30er Jahren eine der zentralen Technologien, die Neuordnung der Gesellschaft auf der Grundlage veränderter Produktions- und Lebensverhältnisse planvoll umzusetzen. Im Kolonialismus diente die Planung der strategischen Inbesitznahme des Territoriums. Dabei ging es nicht nur um neue Bau- und Siedlungspolitik, sondern auch um neue Regierungstechnologien, die später in Europa […]

Die schlafende Schöne – Impressum / Peter Volgger

Das Projekt ‚Die schlafende Schöne. Architektur und Biopolitik‘ wird vom Österreichischen Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) unterstützt.

Koloniale Spekula – Die militärische Stadt / Peter Volgger, Stefan Graf & Arno Hofer

Die Rekonstruktion der militärischen Ursprünge und Superstrukturen von Asmara folgt dem Gedanken, dass der Begriff der (architektonischen oder allgemeiner künstlerischen) Avantgarde  zuerst in militärischen Kontexten verwendet wurde, um die Vorhut einer Armee zu bezeichnen. Damit wird betont, dass die autonome Praxis des Architekten dem Modell des Krieges und der Zerstörung folgt. Diesen Ansatz finden wir […]

Koloniale Spekula – Das CARP / Peter Volgger, Stefan Graf & Arno Hofer

Nach der Neuentdeckung am Ende der neunziger Jahre wurde Asmara von westlichen Medien als frozen city, sleeping beauty oder auch city of dreams betitelt. Diese Tropen beziehen sich auf die besonderen baulichen und geschichtlichen Eigenschaften der Stadt. Durch fehlende Bautätigkeit während eines 30 Jahre andauernden Befreiungskrieges gegen Äthiopien hatte sich die Stadt baulich kaum verändert. […]